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Landesgartenschau Bayreuth

Rosengewächse in der Landesgartenschau BayreuthDie Landesgartenschau fand 2016 in Bayreuth statt und lockte über 900.000 Besucher an. Als Gelände wählte man die Wilhelminenaue, östlich der Innenstadt gelegen. Das Konzept war: einen dauerhaften und schön angelegten Landschaftspark zwischen der Innenstadt und der nordöstlichen Eremitage zu schaffen. Gleichzeitig wurde der Rotmain renaturiert und in ein natürliches Flussbett gehoben.
Besonderheiten
  • Termin: 22.4. – 9.10.2916
  • Motto: Musik für die Augen
  • Fläche 45 ha
  • Investition 10,5 Mio. Euro
  • Besucher: 900.000

Zu Gast bei Wilhelmine von Bayreuth

Bayreuth erhielt den Zuschlag für die bayrische Landesgartenschau im Jahr 2016. Bereits in der Bewerbung wird hier vorgeschlagen, einen neuen Park mit sinnvoller Nachnutzung anzulegen. Neben landschaftlich geprägten Flächen sollte es auch intensiver gestaltete Bereiche geben. Sowohl Erholungs- und Aktionsangebote der Stadt konnten effektiv miteinander verbunden werden und sich ergänzen. Die Leitfigur oder Gastgeberin der Landesgartenschau war keine geringere als Wilhelmine von Bayreuth. Ihre Geschichte und Gedanken wurden thematisch mit untergebracht und stilvoll zur Schau gestellt. Schließlich fand das ganze Konzept in der nach ihr benannten Wilhelminenaue statt. Schauen wir uns dazu die Details etwas genauer an.

Kernidee: ein neuer Park entsteht

Die Stadt Bayreuth hatte sich bereits in Vorjahren um die Landesgartenschau beworben. Der Bewerbung für 2016 liegt jedoch ein anderes Konzept zugrunde mit der Kernidee, einen neuen Park als Brückenschlag zwischen der alten und historischen Stadt, dem Hofgarten und der Eremitage anzulegen. Grünverbindungen am Roten Main und am Mühlkanal sollen die Innenstadt besser einbeziehen und auch die umliegenden Regionen besser vernetzen. Die Gestaltung selbst soll sich auf die gartenkünstlerische Tradition Bayreuths berufen und bildet demnach auch einen zeitgenössischen Beitrag. Damit sehen die Besucher der Gartenschau Bayreuth nicht nur als Stadt der berühmten Wagner-Festspiele, sondern viele weitere Facetten.

Gleichzeitig halten die Planer an ihrer bisherigen Gartenschaubewerbung fest mit der Anlage eines neuen Auenparks im potentiellen Überschwemmungsbereich. Auf den hochwasserfreien Ebenen entsteht ein schön gestalteter Generationenpark für alle Altersstufen. Die bisher fehlenden Aktions- und Erholungsangebote der Stadt sollen dadurch komplettiert werden, auch im Hinblick auf den demographischen Wandel.

Der Standort: Obere Mainaue

Als fester Standort für die Landesgartenschau 2016 wurde die Obere Mainaue im östlichen Stadtgebiet festgelegt. Sie verbindet als einlaufendes Tal die Innenstadt mit der umliegenden Landschaft und ist gut mit ÖPNV oder PKW erreichbar. Vorher wurde der Bereich kaum frequentiert und bot keine Aufenthaltsqualitäten. Die überwiegende Nutzung fand durch die Landwirtschaft statt. Also haben sich die Planer die zentrale Lage zunutze gemacht und das Konzept auf dieses Gebiet bezogen. Es besitzt mit insgesamt 65 ha eine geeignete große Fläche, ist ein wichtiges Verbindungselement und dient als Frischluftschneise für die Innenstadt. Durch die Renaturierung des Auenbereichs kann neuer artenreicher Lebensraum gewonnen werden. Bestehende Kultur- und Freizeiteinrichtungen, wie der Golfplatz, der Nordic-Walking-Park oder auch der Sportpark werden in das Konzept mit einbezogen. Neue und frei nutzbare Aktionsangebote für alle Altersgruppen entstehen. Gleichzeitig übernimmt das Konzept Hochwasserschutzmaßnahmen. Ziel für diesen Standort ist: eine spätere kostenfreie Dauernutzung für die Einwohner und Besucher Bayreuths zu schaffen.

Insgesamt hatte die Landesgartenschau 2016 drei Ausstellungsbereiche zu bieten, die entsprechend renaturiert und umgestaltet wurden. Dazu gehören:

  • Wilhelminenaue: Dieser Bereich am östlichen Stadtgebiet geht auf die Markgräfin Wilhelmine (1709 – 1758) zurück. Sie ist das Zentrum der Ausstellung schließt an den Stadtteil Sankt Georgen, den Park Eremitage inklusive Festplatz und direkt an die Innenstadt an. Vier verschiedene Gartenräume sind also umgesetzt worden.
  • Roter Main: Eine große Errungenschaft dieser Planung ist die Renaturierung des Roten Mains. Sie wurde durch das Wasserwirtschaftsamt Hof übernommen und hat großen Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht der Region. Der Rotmain wurde dabei aus dem vorher kanalartigen Flussbett gehoben und läuft nun über viele Schleifen und flache Uferbereiche aus. Die Ufer wurden naturnah angelegt und sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Aue. Der Fluss hat wieder einen natürlichen Lauf bekommen und genügend Spielraum für seine Eigendynamik.
  • Hammerstätter See: Durch die Neugestaltung der beiden Flussseiten und die Erdbauarbeiten wurde ein zwei Hektar großer See angelegt namens Hammerstätter See. Er ist zentrales Element im Auenbereich und konnte durch eine finanzielle Förderung der bayrischen Staatsministerien sowie mit Mitteln der Europäischen Union umgesetzt werden. Optisches Highlight ist die direkt verbundene Seebühne. Insgesamt erreicht das Gewässer eine Tiefe von 2,8 m.

Die Umsetzung – mehr als nur Blumen und Pflanzen

Unter dem Motto „Musik für die Augen“ ging die Landesgartenschau im April 2016 an den Start und verzauberte bis zum Oktober zahlreiche Besucher. Wasserbereiche, Gartenkabinette, eine Seebühne, Kunstinstallationen und viele Spielplätze sind auf dem Gelände errichtet worden. Sie erstrecken sich entlang des renaturierten Roten Mains und zeigen sich abwechslungsreich in der Optik und klangvoll im Namen. Im Gourmet Kabinett war beispielsweise ein japanischer Garten zu finden und ein großes Gastronomiezelt. Stauden, Sonnenblumen, Hopfen und Bioenergiehügel fanden die Besucher im Kulturkabinett. Die Kabinette waren jedoch eine besondere Herausforderung, bei der teilweise Höhenunterschiede bis zu 7 Meter überwunden werden mussten. Die Lösung lag im Erdbeton aus verschieden farbigen Sanden der Region. Nach längerer Planung fand man hier die passende Bauart und den jeweils passenden Baustoff zu den Kabinetten. Diese prägnante Materialsprache unterstützte den Charakter der Landesgartenschau.

Natürlich darf auch die sportliche Komponente bei einer Landesgartenschau nicht fehlen. Neben den schönen Blumenanlagen gab es viele Fitness-Bereiche, die für jedes Alter ausgelegt waren. Dazu gehören beispielsweise:

  • Kletternetzlandschaft
  • Bolzplatz
  • Beachvolleyball
  • Dirtpark für Biker
  • Trampoline
  • Wasserspielplätze
  • Schule im Grünen

Auf dem Sport- und Spielkonzept lag ein besonderes Augenmerk. Zum Höhepunkt gehört hier das schwingende Riesennetz. Durch die hohe Spannung und die dynamisch gelagerten Pylone wurde es in Schwingung versetzt und begeisterte Jung und Alt. Der Wasserspielplatz selbst ist verschiedenen Fossilien nachempfunden und gewährte vor allem in den heißen Sommermonaten eine gelungene Abkühlung. Die Kinder haben sich hier gern ausgetobt und auch die anderen Spielplätze gut angenommen, wie beispielsweise das Wolkenkuckucksheim. Überdimensionale Vogelhäuser laden zum Spielen ein und sorgen für eine beeindruckende Kullisse.

Nach all diesem Aktionismus ist natürlich für das leibliche Wohl gesorgt. Verschiedene Pavillons, Biergärten, Weingärten und auch Cafés boten über den ganzen Tag hinweg ihre Leckereien und frische Getränke an. Die Seebühne kann fast schon als Herzstück bezeichnet werden. Hier fanden viele Veranstaltungen, Konzerte und das Garten-Kino statt, die vor allem an den Wochenenden gelegen waren.

Hinweis
Das komplette Areal der Landesgartenschau in Bayreuth ist barrierefrei zu genießen und sowohl für Rollstühle, als auch Rollatoren, Boller-Wagen oder E-Scooter geeignet. Alle Geräte konnten gegen eine kleine Pfandgebühr am Eingang ausgeliehen werden.

Von Beginn an sollte auch die Innenstadt an das Gelände mit angebunden werden. Dafür gab es neu gestaltete Fuß- und Radwege, die direkt zur Wilhelminenaue führten. Mit der Richard-Wagner-Straße gab es sogar eine komplette Einkaufspassage mit Liegestühlen und Palmen, um das Gartenfeeling auf den Asphalt zu bekommen. Auch weit über die Stadtgrenzen hinaus machten die Gewerbetreibenden mit und profitierten vom kurzzeitigen Aufschwung.

Attraktionen rings um die Landesgartenschau

  • Hofgarten Bayreuth
  • Eremitage
  • Schloss Fantaisie
  • Botanischer Garten der Uni Bayreuth
  • Kräuterdrof Nagel
  • Freilandmuseum Grassemann
  • Felsengarten Sanspareil
  • Wildpark und Waldhaus Mehlmeisel

Ablauf: Wetter, Gäste, Verkehr und Maskottchen

Das Wetter startete im Jahr 2016 direkt mit einer heiteren Eröffnung. Danach ging es aber recht durchwachsen weiter. Von Schnee bis hin zu Hitzeperioden war alles vertreten. Einige Frühlingstage brachten heftige Unwetter mit sich, an denen das Gelände dreimal geräumt werden musste. Gegen Ende des Sommers glänzten die Veranstaltungen aber unter besten Wetter bis 25 Grad und bei Sonnenschein.

Trotz der Wetterschwankungen schafften es 900.000 Besucher auf das Gelände. Insgesamt 20.525 Dauerkarten wurden verkauft. Somit konnte jeder dritte Bayreuther das Gelände stets besuchen und alle Ausstellungen sowie Konzerte wahrnehmen. Zu den prominenten Gästen gehörte beispielsweise die Umweltministerin Ulrike Scharf, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth oder Karin Seehofer, als Frau des bayrischen Ministerpräsidenten.

Maskottchen war der Glotzaugengerch, der als Urzeit-Fossil Klein und Groß in seinen Bann ziehen konnte. Aber auch die tierischen Stars begeisterten die Besucher. Weiße Edel aus dem Burgenland waren hier die Hauptattraktion. Zu allem Unterhaltungswert hat sich eine eigene Band als Bayreuth Eleven gegründet. Highlight war hier eindeutig der Auftritt beim Sommerfest vor vielen tausenden Besuchern.

Bei derartigen Großveranstaltungen wird das Verkehrskonzept genauer auf die Probe gestellt. In Bayreuth lief jedoch alles glatt. Es gab während der gesamten Zeit keine Staus, ausreichend Parkplätze waren vorhanden. Und ein großes Lob ging nachher an die städtischen Dienststellen und die Polizei.

Kosten der Landesgartenschau Bayreuth – über 10 Millionen Euro

Durch die enorme Umstrukturierung im Stadtgebiet selbst und die Renaturierung der Aue fielen insgesamt 10,5 Millionen Euro an Kosten an. Für die Durchführung und Organisation selbst standen weitere 9,2 Millionen Euro auf dem Plan. Sie sollten jedoch durch die Einnahmen komplett gedeckt werden. Ein Erwachsener zahlte 16 Euro pro Tageskarte. Kinder und Jugendliche von 6-16 Jahren nur 3 Euro. Kleinkinder waren vom Eintritt befreit. Außerdem gab es einen Familienbonus. So hatten alle Kinder in Begleiter einer aufsichtsberechtigten Person freien Eintritt.

Eine Förderung aus EU-Mitteln ergab 2,88 Millionen Euro für die Gartenschau. Zusätzlich hat sich das Bayrische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 2,88 Millionen Euro beteiligt. Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab 175.000 Euro zur Planung dazu.

Der Förderverein Wilhelminenaue e.V. – Weiternutzung der Anlage

Der Erhalt der Anlage, die Pflege der Aue und die Weiterentwicklung obliegt dem Förderverein Wilhelmineaue e.V. Dank der Landesgartenschau gab es mit dem neuen Areal bereits eine große Verbesserung der Lebens- und Freizeitqualität in Bayreuth. Der sogenannte Bürgerpark soll aber auch nach dem ereignisreichen Jahr 2016 mit Leben gefüllt bleiben. Der Verein soll dabei allen Engagierten und Interessen ein Forum geben, die Anlagen zu erhalten und auch weiterhin für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten sollen unterstützt werden. Außerdem wird der Landschafts-, Umwelt- und Naturschutz gefördert. Die angrenzenden Stadtteile St. Georgen und Hammerstatt werden in ihrer sozialen Entwicklung weiterhin gestützt. Natürlich darf der Verein auch mit Spenden von außen weiterhin unterstützt werden.

Weiterführendes

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